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Mehr #miteinandern und Zuversicht üben

12. Oktober 2026

Die Wahlen dieses Septembers haben etwas sichtbar gemacht, das uns die nächsten Jahre beschäftigen wird. In Ostdeutschland haben rechtsextreme Kräfte enorme Zustimmung erhalten. In Berlin hat zugleich die Linke stark gewonnen. Parteien der politischen Mitte haben deutlich verloren. Ihre Bindekraft scheint abzunehmen.

Lange lautete die Analyse: Wir müssen die Sorgen und Ängste der Menschen ernst nehmen. Das war nie falsch, aber es ist zu oberflächlich. Menschen, die extrem wählen, treffen eine bewusste politische Entscheidung. Und die Strategie, Themen und Positionen der radikalen Rechten zu übernehmen, hat nicht geholfen. Die Forschung zeigt: Eine solche Annäherung nutzt radikalen Parteien sogar.

Genau das macht die Lage so schwierig. Die naheliegenden Antworten liegen auf dem Tisch: genauer zuhören, Sorgen aufnehmen, Sachprobleme lösen, politische Themen zurückgewinnen. Vieles davon wird längst versucht – und bleibt notwendig. Aber offenbar reicht es nicht, nur nach den richtigen Themen und den besseren Argumenten zu suchen. Politik lebt auch davon, ob Menschen Vertrauen fassen, sich angesprochen fühlen und jemandem abnehmen, wofür er oder sie steht.

Menschen suchen Beziehung, sie müssen Vertrauen spüren und das spüren sie durch glaubwürdige Menschen. Es ist wichtig, ob jemand wirklich meint, was er oder sie sagt. Ob jemand nahbar ist und ob da Zuversicht ist. Und, ja: auch gute Laune. Demokratie braucht Menschen, die Lust darauf machen, gemeinsam Zukunft zu gestalten. Wer verbissen oder erschöpft wirkt, wird keine Begeisterung wecken.

Als Sprecher des Bayerischen Bündnisses für Toleranz erlebe ich klares und starkes Engagement gegen Menschenfeindlichkeit überall in Bayern. Menschen mit ganz unterschiedlichen Überzeugungen arbeiten hier zusammen. Was uns verbindet, ist die Überzeugung, dass die Würde jedes Menschen unantastbar ist. Und jede und jeder bringt dafür eigene Quellen der Kraft und Zuversicht mit.

Für mich gehört dazu der christliche Glaube. Einer, der mir auch für die Gegenwart Mut macht, ist der inzwischen verstorbene Pfarrer Lothar König.

Er hat dem DDR-Staat mutig die Stirn geboten, die schwierigen Umbruchsjahre nach 1989 erlebt und später über Jahrzehnte gegen Rechtsextremismus gekämpft. Er wusste, wovon er sprach, wenn er das biblische Bild von den sieben fetten und den sieben dürren Jahren aufgriff.

In der biblischen Geschichte deutet Josef dem ägyptischen Pharao einen rätselhaften Traum: Auf sieben Jahre des Überflusses werden sieben Jahre der Dürre folgen. Josef redet die kommende Not nicht klein. Er erkennt die Zeichen, bereitet sich vor und schafft Vorräte und Spielräume für die schwierige Zeit.

Es liegen keine einfachen Jahre vor uns. Die Klimakrise wird Hitze, Dürre und Extremwetter spürbarer machen. Auch politisch werden wir Ausdauer brauchen. Aber die Josefsgeschichte erzählt davon, wie Menschen unter schwierigen Bedingungen kreativ werden und gemeinsam handeln. Josef denkt von einem guten Ende her. Ganz am Schluss sagt er: „Fürchtet euch nicht.“ Und: „Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen.“

Mit Josef bin ich überzeugt davon, dass auch schwierige Zeiten immer Zukunft in sich tragen. Entscheidend ist, wie wir diesen Zeiten begegnen und gestalten. Gegen Menschenfeindlichkeit braucht es Klarheit. Und zugleich ein zugewandtes Miteinander und eine Zuversicht, die ansteckt.


Wir sind Bayerns größter Zusammenschluss aus staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren sowie Religionsgemeinschaften, um unsere Demokratie und die Achtung der Menschenwürde zu stärken und Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus zu bekämpfen.


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