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Gesellschaftlicher Zusammenhalt in herausfordernden Zeiten

16. April 2026

Die Frage nach dem gesellschaftlichen Zusammenhalt ist zwar zeitlos, gewinnt in den letzten Jahren aber immer mehr an Bedeutung. Man kann zunehmend den Eindruck gewinnen, dass in unserer Gesellschaft viele Menschen ihre eigene Meinung zunehmend kompromisslos vertreten und an ihren eigenen Rechten festhalten. Und so schwindet zunehmend die Bereitschaft zum Kompromiss, die Toleranz anderer Ansichten, und die Rücksichtnahme auf andere lässt immer mehr nach.

Wenn immer weniger Menschen bereit sind, Institutionen zu unterstützen, die nur ungefähr und nicht völlig ihrer eigenen Meinung entsprechen, führt dies zu einer politischen Zersplitterung des Parteiensystems und zu einem Bindungs- und Bedeutungsverlust gesellschaftlicher Großorganisationen. Und wenn es weniger Orte gibt, an denen Menschen im Sinne eines gesellschaftlichen Lagerfeuers zusammenkommen – seien es Stammtische, Parteiversammlungen, Gottesdienste, oder seien es auch nur zeitgleiche Erlebnisse des linearen Fernsehens – dann stellt sich zunehmend die Frage, was den Zusammenhalt unserer Gesellschaft ausmacht. Es ist deshalb brandaktuell und gesellschaftlich hochrelevant, dass sich das Bayerische Bündnis für Toleranz für die Jahre 2026 und 2027 das Schwerpunktthema „Gesellschaftlicher Zusammenhalt in herausfordernden Zeiten“ gewählt hat.

So bedeutend die Frage nach dem gesellschaftlichen Zusammenhalt auch ist, umso schwieriger ist sie, im Detail zu beantworten. Viele Faktoren spielen hinein: das Vertrauen der Menschen in politische und gesellschaftliche Institutionen, das Vertrauen der Menschen in ihre Mitmenschen, der Gemeinsinn und die Bereitschaft, sich gesellschaftlich einzubringen. Dafür braucht es aber auch unterschiedliche Voraussetzungen, z.B. das Gefühl, dass es einigermaßen gerecht zugeht in unserer Gesellschaft. Es braucht echte Chancengerechtigkeit in Bildung und Arbeit und in den sozialen Verhältnissen.

Es ist wichtig, dass sich Menschen weder sozial noch im gesellschaftlichen Diskurs ausgeschlossen fühlen. Oft wird beklagt, dass sich gesellschaftliche Diskursräume verengen. Manchmal sind solche Entwicklungen ja auch tatsächlich geboten. Trotzdem ist der Gesamteindruck ebenfalls erschwerend. Wir müssen uns deshalb die Frage stellen, wie wir die Menschen in unserer Gesellschaft in die radikalen Umbrüche unserer Zeit mitnehmen.

All diese Fragen sind große Aufgaben nicht nur für die Politik, sondern für die gesamte Gesellschaft. Arbeitgeber und Gewerkschaften, Kirchen und Religionsgemeinschaften, die Zivilgesellschaft, der Sport, die Kultur, die Medien, insbesondere im öffentlich-rechtlichen Bereich – alle sind gefordert, einen Beitrag zur Eindämmung gesellschaftlicher Fliehkräfte und zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts zu leisten. Vor diesem Hintergrund freue ich mich auf die zweijährige Schwerpunktbefassung unseres Bündnisses mit einer der zentralen Fragen, vor denen unsere Gesellschaft steht und die an Relevanz noch weiter gewinnen wird, und auf vielfältige Diskussionen mit Ihnen allen.

Dr. Matthias Belafi
Leiter des Katholischen Büros in Bayern und
stellvertretender Sprecher des Bayerischen Bündnisses für Toleranz


Wir sind Bayerns größter Zusammenschluss aus staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren sowie Religionsgemeinschaften, um unsere Demokratie und die Achtung der Menschenwürde zu stärken und Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus zu bekämpfen.


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