
Wir haben unser neues Mitglied gleich einmal mit drei Fragen begrüßt …
Philipp Hildmann: Sehr geehrte Frau Vizepräsidentin Melanie Grimm, wir freuen uns sehr, den Deutschen Alpenverein (DAV) als neues Mitglied im Bayerischen Bündnis für Toleranz willkommen zu heißen. Was waren Ihre Beweggründe, dem Bündnis beitreten zu wollen?
Melanie Grimm: In ganz Europa erstarken derzeit Parteien und Strömungen, die den freiheitlich demokratischen Rechtsstaat infrage stellen. Zugleich beobachten wir, wie der Tonfall in den öffentlichen Debatten rauer wird. Wie Ängste und Sorgen vieler Menschen dazu missbraucht werden, Feindseligkeit und Hetze gegen Andersdenkende gesellschaftsfähig zu machen. Diese Entwicklungen sind gefährlich und dürfen keinesfalls unterschätzt werden.
Als große zivilgesellschaftliche, unabhängige Organisation nimmt der Deutsche Alpenverein seine gesellschaftliche Verantwortung sehr ernst. Er will seine Position als großer deutscher Sport- und Naturschutzverband nutzen, um einen wesentlichen Beitrag zum Gemeinwohl zu leisten.
Was uns besonders beeindruckt hat, ist der Umgang des DAV mit den schwierigen Kapiteln seiner Geschichte in den, wie Sie selber sagen, „dunkelsten Jahren des Alpenvereins“. Können Sie uns etwas hineinnehmen in das, was damals geschehen ist, und wie der DAV heute damit umgeht?
Ausgelöst durch den verlorenen Ersten Weltkrieg richtete sich der Alpenverein zunehmend deutschnational und in Teilen antisemitisch aus. Bereits 1924, lange vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten, positionierte sich der Gesamtverband antisemitisch, indem er die jüdisch erachtete Sektion Donauland ausschloss.
Seit Ende der 1980er Jahre wurden Fragen dazu immer lauter. Die Alpenvereine in Deutschland, Österreich und Südtirol initiierten dazu ein Forschungsprojekt, das in der Ausstellung und Publikation „Berg Heil! Alpenverein und Bergsteigen 1918-1945“ mündete. Bis heute ist die Auseinandersetzung mit dem frühen Antisemitismus im Alpenverein für uns handlungsleitend. Auch darum stehen wir entschlossen für Toleranz und Miteinander ein.
Welchen Beitrag kann Bergsport im Allgemeinen und der DAV im Besonderen heute für ein positives gesellschaftliches Miteinander, für Integration, gemeinsames Leben von Grundwerten und Einübung demokratischer Verfahren leisten?
Gerade als Bergsportlerinnen und Bergsportler erleben wir auf unseren Reisen und Touren, wie bereichernd das Kennenlernen und Erleben anderer Kulturen ist. Der Bergsport steht für Fairness, Vielfalt und Chancengleichheit – und für einen Zusammenhalt, der sich alleine aus der Begeisterung für die Berge speist und unterschiedlichste Menschen zusammenbringt. Wir haben fast 1,6 Millionen Mitglieder, selbstverständlich gibt es da sehr viele unterschiedliche Meinungen. Und dennoch erleben wir eine große positive Identifikation mit dem Alpenverein, die sich insbesondere in einem riesigen ehrenamtlichen Engagement mehrerer zehntausend Menschen zeigt. Ich bin überzeugt, dass Ehrenamt und Begeisterung für eine Sache zentral wichtig sind für ein gutes gesellschaftliches Miteinander.
Frau Vizepräsidentin, wir danken Ihnen sehr für das Gespräch und freuen uns auf ein gutes Miteinander im Bayerischen Bündnis für Toleranz!
Foto: DAV/Tobias Hase